„Wir haben dann geprüft, wir haben dann entschieden.“ So beginnt Johann eine Szene aus seiner Arbeit, ruhig und klar. Ich frage ihn, wer wir ist. Er zählt drei Funktionen auf, die mit ihm im Raum waren. Ich frage ihn, was er in diesem Moment allein gemacht hat. Es dauert, dann beginnt er zu erzählen.
Johann bereitet sich auf ein Senior Executive Center vor. Er ist jemand, der schon lange auf hohem Niveau arbeitet und das, was er kann, nicht mehr als besonders empfindet. Genau das ist sein Thema in dieser Vorbereitung. Auf seinem Level sind die Selbstverständlichkeiten so eingespielt, dass sie nicht mehr benennbar sind. Und im Center wird genau das verlangt: präzise auszusprechen, was war und wofür man selbst gesorgt hat. Wer das nicht kann, geht unter, auch wenn er fachlich brillant ist.
In unserer Arbeit drehen wir die Erzählperspektive. Wir gehen nicht durch Szenen, um sie zu polieren. Wir gehen durch sie, um den Punkt zu finden, an dem aus dem Wir ein Ich wird. Wo war Johann der Erste, der das gesagt hat. Wo hat er gegen die Strömung gehalten. Wo hat er geahnt, dass etwas kippt, bevor andere es sahen. Und auch dort, wo er nichts gesagt hat, obwohl er hätte sagen müssen, und was ihn das gelehrt hat. Ich frage immer wieder nach dem, was im Konzernalltag fast nie eine Rolle spielen darf. Wie es ihm dabei ging. Was ihn unsicher gemacht hat. Was ihn klar gemacht hat. Auf seinem Level redet niemand über Emotionen. Im Center wird genau danach gefragt.
Was sich in dieser Vorbereitung verändert: Johann lernt nicht, sich besser zu verkaufen. Er lernt, seinen eigenen Anteil zu erkennen und zu benennen. Er merkt, dass vieles, was er für selbstverständlich hält, genau das ist, was ihn unterscheidet, und er findet eine Sprache dafür, die nicht nach Inszenierung klingt. Wir üben das so oft, bis es im Center keine Technik mehr ist, sondern selbstverständlich. Was am Tag des Centers zählt, ist nicht, dass er perfekt performt. Sondern dass klar wird, was durch ihn entsteht.
Was ich in dieser Arbeit tue
Ich höre genau hin, wo ein Wir verschleiert, was eigentlich ein Ich war. Auf Executive-Level passiert das ständig, oft ohne dass die Coachees es bemerken. Ich halte solche Stellen fest und gehe gemeinsam mit ihnen an den Punkt zurück, an dem sie selbst etwas ausgelöst, entschieden oder gehalten haben.
Ich frage konsequent nach Impact, Anteil und Wirkung. Und nach dem, was im Alltag fast immer fehlt: wie jemand in genau diesen Momenten geführt hat, auch unter Druck, auch in Unsicherheit, auch wenn er sich nicht sicher war.
Ich sage, was ich sehe, auch wenn es unbequem ist. Wenn eine Reflexion zu glatt klingt, gehen wir noch einmal rein. Wenn eine Stärke fehlt, benenne ich sie. Wenn ein Satz im Center nicht tragen wird, klären wir das vorher.
Zum Rahmen meiner Arbeit
Die Vorbereitung auf ein (Senior) Executive Center ist eine besondere Form des Coachings. Ich begleite Coachees über mehrere Sessions an dem Punkt, an dem viele auf diesem Level unscharf werden, an der eigenen Wirkung. Ich arbeite als systemische Coach, IOBC-zertifiziert, und kenne die Anforderungen solcher Verfahren aus langer eigener Erfahrung im Konzernkontext. Im Coaching wechsle ich bewusst ins Sparring, wenn es der Coachee und der Situation mehr dient. Was ich tue, benenne ich, damit wir beide wissen, auf welcher Ebene wir gerade arbeiten.