Diesen Satz sagt Mika in unserer ersten Session, zwischen zwei anderen Sätzen, als wäre es eine Randbemerkung. Für mich ist es der wichtigste Satz der Stunde. Mika ist ein Durchsetzer, einer, der Themen treibt und bis zum letzten Punkt dranbleibt. Das war immer seine Stärke. Jetzt ist sie seine Grenze. Er rennt hinterher, priorisiert reaktiv, und verliert das große Ganze aus den Augen.
Das ist kein Zeitmanagement-Thema. Mika hat sich über Jahre in eine Rolle hineingeführt, in der alle es gewohnt sind, dass er sofort antwortet, überall drauf ist, alles weiß. Diese Erwartungen arbeiten jetzt gegen ihn. Gleichzeitig geht er aus einem tiefen Sicherheitsgefühl heraus in jedes Detail rein, auch dort, wo er es längst loslassen könnte. Seine Tiefe ist eine echte Stärke und wird an dieser Stelle zum Reflex, der ihn auffrisst.
In unserer Arbeit geht es um das, was auf diesem Level selten ausgesprochen wird. Um das Verhältnis zu Risiken, das ihn zwingt, überall drin zu bleiben. Um die Stakeholder-Beziehungen, in denen er sich selbst als permanent verfügbar installiert hat. Um die Gespräche, die er seit Monaten in seinem Kopf führt, statt sie wirklich zu führen. Und um den Unterschied zwischen Tiefe als bewusstem Werkzeug und Tiefe als Fluchtbewegung.
Was sich für Mika verändert: Er führt ein Gespräch, das er sich lange nicht zugetraut hat. Er entscheidet klarer, wo er wirklich drin sein muss und wo nicht. Er zieht bei zwei Stakeholdern eine Grenze, die vorher niemand von ihm erwartet hätte, und stellt fest, dass niemand empört reagiert. Die Welt um ihn ist nicht ruhiger geworden, seine Art, in ihr zu stehen, schon.
Was ich in dieser Arbeit tue
Ich höre genau hin, auch bei den Sätzen, die beiläufig fallen. Das, was zwischen zwei Themen rausrutscht, ist oft der eigentliche Kern. Ich halte solche Sätze fest und mache sie zum Thema, auch wenn der Coachee weitergehen will.
Ich sage, was ich sehe, auch wenn es unbequem ist. Ich bin nicht hier, um zu bestätigen, sondern um zu konfrontieren, wo es gebraucht wird. Wenn ein Executive sich selbst etwas vormacht, spreche ich das aus.
Ich bringe meine Coachees vom Denken ins Tun. Reflexion allein verändert nichts. Wir arbeiten an konkreten Gesprächen, an konkreten Entscheidungen, an konkretem Verhalten zwischen den Sessions. Am Ende zählt, was sich im Alltag wirklich verschiebt.
Zum Rahmen meiner Arbeit
Reines Coaching reicht auf diesem Level selten. Zu viel steht auf dem Spiel, zu wenig Zeit ist da für ausschließlich non-direktive Prozesse. Ich arbeite als systemischer Coach, IOBC-zertifiziert, und wechsle bewusst ins Sparring, wenn es dem Coachee und der Situation mehr dient. Das kann eine Einschätzung sein, eine Konfrontation, eine konkrete Empfehlung. Was ich tue, benenne ich, damit wir beide wissen, auf welcher Ebene wir gerade arbeiten.